25 Jahre Bistum Damongo: Fragen an Father Felix


FK Ghana: Wie begann die Gründung des Bistums Damongo vor 25 Jahren? Welche Schwierigkeiten galt es damals zu meistern? 

Fa. Felix: Gerade zur Gründung der Diözese vor 25 Jahren galt es große Herausforderungen zu meistern: Dinge des täglichen Bedarfs, z.B. Unterkunftsmöglichkeiten für den Bischof und seine Priester mussten gefunden werden. Zuerst hatte der Bischof einen einzelnen Raum im Missionshaus zur Verfügung, zusammen mit den Priestern. Später wurde er von der Familie Wumnaya unterstützt, die ihm ihr Haus als Unterkunft anboten. Auch gab es keinen Platz für Besprechungen mit den Priestern und dem Bischof. Der einzige zur Verfügung stehende Raum war eine Halle in der Gemeinde „Guter Hirte“ in Tuna. Diese Halle war mit Hilfe der deutschen Partner gebaut worden.

Auch gab es keine Möglichkeit, auswärts essen zu gehen, außer im Mole National Park, wo es schon ein Restaurant gab. Der Bischof war deshalb mit der großen Aufgabe konfrontiert, eine Infrastruktur aufzubauen, seine eigenen Wohn- und Arbeitsmöglichkeiten eingeschlossen. 

Eine weitere große Herausforderung bestand und besteht im Zusammenleben der vielen Volksgruppen in der Diözese. Es sind annähernd 26 Gruppen. Die dominierende Gruppe, die Gonjas, verfügen über das Land. Verschiedene Konflikte zwischen den Stämmen waren an der Tagesordnung. Der Bischof arbeitete intensiv daran, das Friedenszentrum aufzubauen. Ziel war es, die Konfliktparteien in der kritischen Situation in das Zentrum einzuladen und so eine friedliche Lösung für ihren Streit zu finden. Um all dieses machen zu können, mussten Unterkunft und Verpflegung bereit gestellt werden. Und so entstand das Gästehaus mit Küche, das heute so wie damals besteht.

All das geschah vor dem Hintergrund, dass etwa 70 % der Bevölkerung aus Frauen und Kindern bestand und die meisten von ihnen nicht lesen oder schreiben konnten. Die Analphabetenrate lag für Frauen und Kinder bei 95 %. Sie hatten keinen Zugang zu Schulen und formaler Bildung. Gerade die Erziehung der Mädchen war eine große Herausforderung. Viele Eltern erlaubten ihnen nicht, zur Schule zu gehen. Ihr Platz war in der Küche und im Haushalt während Jungen das Privileg hatten, die Schule zu besuchen. Viele Mädchen wurden jung verheiratet. Das vom Bischof gegründete Mädcheninternat wurde zu einem Ort, der das Leben vieler Mädchen grundlegend verbesserte. 

FK Ghana: Wenn Du zurück blickst, wie hat sich das Gemeindeleben in St. Annes in diesen Jahren verändert? 

Fa. Felix:  Fa. Felix:  Als erstes: Die Zahl der Pfarrgemeinden hat sich auf 13 erhöht, im Vergleich zu 5 Gemeinden zum Gründungszeitpunkt. Diese 5 Gemeinden sind: St. Anne`s in Damongo, Martyrs of Uganda in Bole, St. Anthony of Padua in Bamboi,  Holy Trinity in Sawla und Good Shepherd in Tuna. 

Die Liturgiefeiern in diesen Gemeinden haben sich über die Jahre sehr verändert. Einige Gemeinden zelebrieren jetzt auch Abendmessen oder zwei Messen am Sonntag, natürlich auch Messen in den außerhalb gelegenen Dörfern. Auch die Katechese wurde stark verbessert. Heute sind viel mehr Priester und Katecheten tätig als damals. 

In verschiedenen Gemeinden gibt es heute auch einige Komitees und andere Gremien, die das Gemeindeleben erleichtern, z.B: das Seelsorgekomitee, ein Laienkomitee, das Partnerschaftskomitee für Entwicklung sowie ein Finanzkomitee. Diese Gremien sind mit Laien besetzt und unterstützen sehr. Damals allerdings mussten die Priester sehr viel selber erledigen. 

Die formale schulische Bildung ist ein Feld, das stark angewachsen ist und viel Gutes bewirkt hat. Alle Gemeinden des Bistums haben heute eigene Schulen, besonders Grundschulen und Junior High Schools (Sekundarstufe 1). Die Diözese gründete ebenfalls einige Oberschulen (Sekundarstufe 2) sowie Berufsschulen und Technikerschulen. Heute können auch viele Mädchen lesen und schreiben, wenn es auch noch Analphabeten im Bistum gibt.    

FK Ghana: Welchen Einfluss hatte die Partnerschaft mit St. Dionysius in Nordwalde bei diesen Veränderungen?

Fa. Felix: Das Leben und der Glauben in der Diözese von Damongo verbesserte sich stark mit dem Beginn der Partnerschaften mit den verschiedenen Gemeinden in Deutschland. Die Partnerschaft von St. Anne`s in Damongo und St. Dionysius in Nordwalde unterstützte das Gemeindeleben der Katholischen Kirche in Damongo und den umliegenden Dörfern enorm. Unsere Pfarrgemeinde erhielt sehr viel finanzielle Unterstützung um eine grundlegende Infrastruktur aufzubauen und das Leben vieler Menschen zu verbessern. Der gemeinsam gegründete Bildungsfonds hat eine Schlüsselfunktion inne und hat das Leben vieler bedürftiger Jungen und Mädchen durch den Zugang zu formaler Bildung geändert. Dieser Bildungsfonds tut nach wie vor viel für viele begabte und bedürftige Studenten.

Daneben möchte ich einige weitere sehr hilfreiche Projekte nennen: Die Unterstützung beim Bau der Kathedrale, das Wasserprojekt von St. Anne`s, der kleine LKW, der die Transporte übernehmen konnte, die Junior High School, das Projekt zum Bau sanitärer Anlagen, die Baumpflanzaktion an der Kathedrale, die Partnerschaft der Grundschule in Yipala mit der Wichernschule in Nordwalde oder auch die Unterstützung beim Bau der Schulkapelle der Senior High School.

Eine weitere Dimension der Partnerschaft, die so viel Unterstützung bietet, ist der persönliche Kontakt und  Austausch zwischen uns. Die vielen Besuche zwischen Ghana und Deutschland sind segensreich. Die Reisen vertieften die Beziehung zwischen uns und unseren Partnern. Wir lernen die kulturellen, religiösen, politischen und sozioökonomischen Unterschiede, die zwischen uns existieren, kennen und akzeptieren. Grundlage für all dies ist der Glaube, den wir teilen und der unser Zusammenwachsen als Brüder und Schwestern in der Nachfolge von Jesus Christus, unserem Herrn und Gott, verbessert.

FK Ghana: St. Anne’s ist die Gemeinde der Kathedrale. Wie feiert ihr das Jubiläum? (Planungsstand vom 25. März 2020) 

Fa. Felix:  Damongo ist der Sitz des Bistums. St. Anne`s ist die Kathedralgemeinde und Muttergemeinde und auch die älteste Gemeinde der Diözese. Als Kathedralgemeinde ist sie das „Epizentrum“ der Feierlichkeiten.

Diese Feierlichkeiten zur 25 Jahr Feier mit dem Höhepunkt in der Kathedrale wird für viele von uns ein ganz außergewöhnliches Fest sein, für Priester und Laien, für junge und alte Gemeindemitglieder. Als Priester und Gemeindemitglieder bereiten wir alles vor, damit die Feier erfolgreich wird. Da ist vor allem auch viel Logistik notwendig. Unter anderem müssen wir für die Unterkunft und Verpflegung der vielen Gäste sorgen, die von nah und fern erwartet werden. Auch die Repräsentanten der anderen Gemeinden müssen in den Tagen vor den Feierlichkeiten von uns versorgt und unterstützt werden. Gemeindemitglieder werden gebeten, Geld oder Lebensmittel zu spenden, um diese dann an andere zu verteilen.

Insgesamt wird es viel Geld erfordern, um die Feierlichkeiten zu gestalten. Das neue Missionshaus ist eines der Projekte, das in dieser Zeit fertig gestellt wird. Es wird genutzt werden können und die Kosten für die Unterkunft etwas verringern.

Aber jetzt sind wir vom Coronavirus und den Auswirkungen betroffen. Viele unserer Gemeinden hängen von der Sonntagskollekte ab, mit der sie ihre Aktivitäten in großem Umfang unterstützen. Jetzt, wo die Messen abgesagt sind, können wir auch kein Geld in den Kollekten sammeln und bekommen kaum Hilfe für das Jubiläum. Wir befinden uns in einer misslichen Situation. Trotzdem sind wir voller Hoffnung, dass wir unseren Beitrag leisten können, so klein er auch werden mag. 

FK Ghana: Was wünscht Du Dir für die Gemeinde für die nächsten 10 Jahre?

Fa. Felix:  10 Jahre von heute an ist keine so lange Zeit. Aber schon ein Zeitraum, der genutzt werden sollte, um das Leben in guter Gesundheit zu sichern. Zuerst und besonders möchten wir tieferen und stärkeren Glauben unserer Leute hier sehen. Wir sollten nach so vielen Jahren der kirchlichen Präsenz nicht ein Gebiet der primären Evangelisation bleiben.

Damongo wird als regionales Zentrum der Savannah Region ein Bevölkerungswachstum erleben, da viele Menschen zum Arbeiten in diese Stadt kommen oder um Geschäfte zu machen. Diese Änderung der Bevölkerungsdynamik kann sich als Vorteil für die Kirche erweisen. Wenn Leute in die Stadt kommen und Katholiken am kirchlichen Leben teilnehmen, wird die katholische Bevölkerung wachsen. Damit wird auch der Begriff des Glaubens unterschiedlich gelebt werden. Auch ökonomische Vorteile wird es geben.

Zweitens ist es unser Wunsch, dass die Partnerschaft nachhaltig bleibt und stärker wird, angesichts der zukünftigen Veränderungen. Die zwei Partnergemeinden können das mit dem Blick auf unterschiedliche Generationen, die Interesse an partnerschaftlicher Arbeit haben, durchdenken.

Drittens wäre es gut und richtig, eine sich selbst finanzierende nachhaltige lokale Kirche zu haben. Wir waren über all die Jahre von Spenden abhängig und kämpfen immer noch um Unterstützung. Jetzt ist es aber an der Zeit, weitere Unternehmungen z.B. in der Landwirtschaft oder in dauerhaften Geschäften anzugehen. Spendenmüdigkeit ist offensichtlich und wir können nicht dauerhaft auf die Hilfe von Übersee hoffen um unsere Missionsarbeit zu leisten.

Last but not least sind Frauen und Kinder zu stärken. Frauen und Kinder bilden die Mehrheit unsere Mitglieder in der Kirche. Sie zu stärken bedeutet mehr nachhaltige Entwicklung für die Kirche, die der Menschheit die Gute Nachricht von Jesus Christus bringt.

Dies sind einige Überlegungen und wertvolle Informationen zum Leben in und zum Auftrag der Diözese seit der Gründung vor 25 Jahren, die ich im Auftrag der Gemeinde zusammen getragen habe. Vielen Dank für Euer Mitdenken und Eure Fürsorge.

FK Ghana: Father Felix, wir bedanken uns ganz herzlich für dieses Interview. Danke, dass Du die Zeit gefunden hast, die Fragen zu beantworten, gerade jetzt, wo die Sorge um die Gesundheit der Menschen mit den Vorbereitungen für das Jubiläum zusammentreffen. Wir wünschen Dir und der ganzen Gemeinde eine gute Gesundheit. Hoffentlich könnt ihr die Feier so begehen wir ihr es Euch vorstellt. Wir wünschen Euch alles Gute und Gottes Segen.